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Lampen und Psamle

Gerüste wurden in der Geschichte des Bauens als notwendige Hilfskonstruktionen aufgefasst und zunächst von den Gewerken errichtet, die sie zur Durchführung ihrer Arbeiten benötigten. Die Ausführung der Gerüstkonstruktionen war durch die jeweilige Erfahrung sowie örtlich verfügbare Baustoffe - vornehmlich Holz - geprägt. Diese Bauart wurde erstmals um 1930 durch den Einsatz von Stahlrohrgerüsten modernisiert. Obwohl dieser Prozess in den Kriegsjahren weitgehend unterbrochen war, gründeten sich damals erste Fachunternehmen, die ausschließlich - oder zumindest überwiegend - Gerüste als eigenständige Leistung für die Nutzung durch Dritte erstellten. 

In den Nachkriegsjahren erfuhr der Stahlgerüstbau eine zunehmende Eigendynamik. Den Anforderungen durch schwierigere technische Vorgaben - größere Gerüsthöhen und Belastbarkeiten, waren zunehmend nur Stahlgerüste gewachsen. 

Aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen, insbesondere Rationalisierungsüberlegungen, wurde in der Folgezeit das Entwicklungspotential dieser Grundkonstruktion ausgebaut, der Gedanke des Systemgerüstbaus, kombiniert mit Einzelgerüstbauteilen, wurde geboren. 

Die Systemgerüste eroberten ab Mitte der sechziger Jahre in Konkurrenz zu den klassischen Stahlrohrkupplungs- und Leitergerüsten den Markt. Damit ging eine technische Revolution einher, welche Veränderungen mit sich brachte und die Spezialisierung des Gerüstbaugewerbes zur Folge hatte. 

Europas Baustellen verändern sich in der heutigen Zeit zunehmend. Der Trend weist in Richtung Automatisierung und Steigerung der Effizienz, die bei der Baustelleneinrichtung beginnt. Unterschiedlichste Facharbeiten, Wartungen und Reparaturen verlangen in kleinen wie in großen Höhen nach einer Anpassung der Arbeitsplätze. Jedes Gewerk hat aufgrund spezieller Durchführungsarbeiten, erforderlicher Werkzeuge und Materialien andere Anforderungen. Auch die Gebäude erzwingen durch ihre Standorte, Bauformen und Ablaufplanungen eine Anpassung der Einrüstung. Nicht zuletzt ist für den Gerüstbau erforderlich, dass die zum Einsatz kommenden Geräte leicht zu handhaben sind. Das "Standardgerüst für alle Fälle" weicht einer individuell steuerbaren Höhenzugangstechnik, die diese Anforderungen erfüllen kann.

So vollzog sich insbesondere im letzten Jahrzehnt im Gerüstbau ein starker Strukturwandel, der sich heute auch in einem begrifflichen Wandel ausdrückt: Der "Gerüstbau" entwickelte sich zur "Höhenzugangstechnik". Ständig steigende Qualitätsansprüche aus unterschiedlichsten baulichen Aufgaben führen zu einer erheblichen Verbreiterung des Leistungsspektrums.

In vielen Einsatzbereichen verlangen die Gebäudeplaner dem Gerüstbau heute ingenieurmäßige Konstruktionen und Logistik mit sehr hohen Schwierigkeitsgraden ab. Gleichzeitig verstärkt sich auch der Kostendruck im gesamten Bauwesen und zwingt den Gerüstbau zu immer stärkeren Rationalisierungen. 

Parallel zu dieser Entwicklung perfektionierte die Industrie ihre Systemgerüste und entwickelte neue Geräte und Bauteile, die auf das größere Aufgabenspektrum sowie auf die erhöhten Qualitätsansprüche, Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsanforderungen eingehen.

Auch am Profil des Gerüstbauberufs zeigt sich dieser Wandel. Aus dem ursprünglich kleinen Gerüstbaugewerbe, das in den fünfziger Jahren ein "Anhängsel" der Baubranche ohne Leistungsdefinitionen und Qualifikationen war, wurde nicht zuletzt aufgrund intensiver Bemühungen des Bundesverbandes Gerüstbau fünfzig Jahre später ein Vollhandwerk mit klar definierten Qualitätsansprüchen. Die Aufnahme in die Anlage A der Handwerksordnung mit Meistervoraussetzung seit 1998 ist das Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen um Sicherheit und Qualität.

Unterstützt wird diese Entwicklung auch durch den Gesetzgeber, der seit 1998 dem Bauherrn eine Mitverantwortlichkeit für die Arbeitssicherheit auf der Baustelle auferlegt, wenn dort Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig werden. Überdies verlangt der Gesetzgeber auch die Einhaltung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzplans sowie geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen vor der Errichtung der Baustelle. Auch diese Entwicklung verdeutlicht, dass Höhenzugangstechnik und ihre Planung heute ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudeplanung sein sollten. Im engen planerischen Zusammenwirken von Architekten, Bauingenieuren, Statikern, Gerüstbauern und Bauherren bietet sich eine wichtige Chance, die Sicherheit und die Produktivität auf der Baustelle zum Nutzen aller Baubeteiligten zu steigern.